Fernwärme Thun: Energie aus der Abfallverbrennung
In der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Thun werden jedes Jahr 130’000 Tonnen Kehricht verbrannt. Die Abwärme unter anderem in Form von Fernwärme bereitzustellen, ergibt ökologisch Sinn, erklärt Andreas Santschi von der eicher+pauli Bern AG. Seine Firma war massgeblich an der Entwicklung des Wärmeverbunds in Thun beteiligt. Um die Wärme auch wirtschaftlich auskoppeln zu können, war die Unterstützung der Stiftung KliK unabdingbar.
Das Fernwärmenetz in Thun ging 2018 in Thun-Nord und 2021 in Thun-Süd in Betrieb. Betreiberin des Systems mit rund 35 Kilometer langen Leitungen sind die Fernwärme Thun AG, die AVAG Umwelt AG als Wärmeerzeugerin sowie die regionalen Energieversorger NetZulg AG und Energie Thun AG. Das Netz wird laufend erweitert.
Die umweltschonende Fernwärme ersetzt über die Gemeindegrenzen hinaus Öl- und Gasheizungen. Durch die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme in der KVA Thun wird der Energiegehalt des brennbaren Abfalls optimal genutzt – der Wirkungsgrad ist hoch, Ressourcen werden geschont und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ist vergleichsweise gering. Der Ausbau der Fernwärme leistet einen entscheidenden Beitrag zu den Klimazielen der Stadt Thun, die bis 2050 klimaneutral werden will, und damit zur Zukunftsfähigkeit der gesamten Region.
Von der Zentrale wird das 130°C warme Wasser über drei Fernwärmeringe in der Region verteilt. Nach der Nutzung kehrt das Wasser wieder in die Zentrale zurück, wo es erneut aufgeheizt wird.
(Quelle: fernwaerme-thun.ch)
Grosse Investitionen, grosse Einsparungen
Für die Umsetzung des Projekts waren umfangreiche Investitionen erforderlich. Bautechnisch umfasste dies vor allem den Ausbau der Leitungsinfrastruktur mit Hauptund Verteilleitungen, Hausanschlüssen, Energiezentralen und Übergabestationen. Derzeit werden mit dem Thuner Fernwärmenetz Treibhausgasemissionen von jährlich rund 22’000 Tonnen CO₂ eingespart (gegenüber der Verbrennung der Menge an Heizöl, die herkömmlich für die Erzeugung der gleichen Wärmemenge erforderlich wäre) – Tendenz steigend. Die jährliche Auszahlung von Fördergeldern pro nicht ausgestossener Tonne CO₂ ermöglichte dem Projekt die notwendige Planungssicherheit.
Viele zusätzliche Vorteile auch für Kunden
Ein Anschluss an ein Fernwärmenetz bietet auch für Bezüger Vorteile. Angeschlossene Gebäude profitieren von dem Raumgewinn, da die Installation eines Wärmetauschers nur wenig Platz beansprucht. Zusätzlicher Kellerraum, wo zuvor vielleicht ein Öltank stand, kann als Hobbyraum oder Weinkeller genutzt werden. Hauseigentümer, die mit Fernwärme heizen, müssen sich nicht um den Kauf von Öl oder Gas kümmern. Brennstofflieferungen, Feuerungskontrollen, Wartungsarbeiten, Brennerservice und Tankreinigung fallen weg. Und nicht zuletzt besteht bei einer Fernwärmeheizung anders als bei Gasleitungen und Heizöltanks keine Brandoder Explosionsgefahr.
Förderung sinnvoll und notwendig
Für Andreas Santschi von eicher+pauli ist klar, dass eine Förderung durch die Stiftung KliK unabdingbar war und ist, damit das Projekt Fernwärme Thun professionell und auf Dauer wirtschaftlich betrieben werden kann. Überhaupt konnten viele heute erfolgreiche Wärmeverbünde nur mit finanzieller Unterstützung durch das Förderprogramm erstellt und ausgebaut werden. Für die Zukunft ist in Thun eine Erweiterung des Fernwärmenetzes in die Quartiere Seefeld sowie Dürrenast und rund um den Bahnhofplatz in Planung.
Wir bedanken uns bei Andreas Santschi, Senior-Projektleiter eicher+pauli Bern AG, und Dominic Zysset, Geschäftsführer Fernwärme Thun AG, für die Mitarbeit.