Fernwärme Göschenen-Andermatt: Heizen mit Holz

Holz als Energiequelle ist nicht unumstritten, aber im Fall des Wärmeverbunds Göschenen-Andermatt hat diese Biomasse entscheidende Vorzüge für die Versorgung der Region mit klimafreundlicher Energie. Die Projektzentrale ist das Heizwerk Gotthard, betrieben durch die oeko energie ag. Laut ihrem Geschäftsführer Marc Vogt wäre der Bau des Werks ohne Fördergelder der Stiftung KliK schlichtweg unmöglich gewesen.

In der Schweiz wachsen pro Jahr etwa 11 Millionen m3 Holz. Geerntet und genutzt wird etwa die Hälfte. Welche erneuerbare Quelle für Fernwärme die richtige ist, ist natürlich gebietsabhängig. Von Wald umgeben, ist die Versorgung des Wärmeverbunds Göschenen-Andermatt mit Holz jedoch naheliegend und sehr vorteilhaft. Wichtig ist, dass die Nutzung des Materials sauber geplant und der Rohstoff richtig eingesetzt wird. Energieholz steht am Ende der Nutzungskaskade.

Das Heizwerk Gotthard nutzt zum Beispiel auch Laubholz, das sonst niemand verwertet. Gebaut worden war das Werk seinerzeit vor allem, um die Gemeinde Andermatt und das in Andermatt gelegene Tourismusresort mit nachhaltiger Energie zu versorgen. Laut Marc Vogt hätte es keinen Sinn ergeben, das Holz, das rund um Göschenen reichlich vorhanden ist, nach Andermatt zu transportieren und dort in einer Zentrale zu verheizen. Daher wurde der Bau des Heizwerks in Göschenen geplant. Das bedeutete jedoch, dass die Leitungen über den Berg geführt werden mussten – ein sehr anspruchsvolles Unterfangen.

Blick in die Heizzentrale Göschenen: Die Leitungen nach Andermatt überwinden einen Höhenunterschied von rund 350 Metern.
© Valentin Luthiger

Ein langer Weg zur Wirtschaftlichkeit

Der Wärmeverbund ist seit 2013 in Betrieb. Er konnte somit als eines der ersten Projekte von Fördergeldern der Stiftung KliK profitieren, noch bevor das Förderprogramm als solches 2016 beim Bund registriert wurde. Die Zusage für eine jährliche Förderung – damals bis 2020 – war für die Startphase entscheidend. Zu den sehr hohen Investitionen für die Projektentwicklung und den Bau der Infrastruktur (allein der Start des Projekts kostete rund 20 Millionen Franken) kam hinzu, dass grosse Wärmeverbünde oft erst nach jahrelangem Betrieb wirtschaftlich arbeiten. Die Förderung hat sich aber gelohnt, denn nun steht die Infrastruktur und kann ausgebaut werden.

Mittlerweile ist fast ganz Andermatt an den Wärmeverbund angeschlossen. Das Heizwerk Gotthard deckt zudem einen Grossteil des Bedarfs der Astra-Baustelle für die zweite Gotthardröhre ab. Damit summiert sich die Leistung auf 1 MW im gesamten Fernwärmenetz. Dank der Energiequelle Biomasse emittiert das Heizwerk pro Jahr knapp 2’400 Tonnen CO₂ weniger, als das bei einem anderen Brennstoff der Fall wäre (Stand Monitoringjahr 2024). Sollten die Ersatz- und Modulbauten des Astra rund um die Baustelle in Zukunft umgenutzt werden, bleibt deren Wärmeversorgung durch den Verbund gewährleistet.

Für eine resultatbasierte finanzielle Unterstützung

Marc Vogt von der oeko energie ag zufolge könnte die Leistung des Heizwerks sogar noch ausgebaut werden. In Andermatt ist das Potenzial noch nicht ausgereizt. Marc Vogt weist darauf hin, dass es auch künftig unbedingt finanzielle Unterstützung geben sollte. Selbst mit einer gewissen Anschlussdichte, die vor der Umsetzung gewährleistet sein muss, sei gerade die Anfangsphase vor allem für private Unternehmungen sehr belastend. Um eine Förderung der Stiftung KliK zu erhalten, müssten klar definierte Leistungen erbracht werden. Jährliches Monitoring und Reporting stellen laut Vogt sicher, dass ein Zustupf nicht im Sande verläuft und das geförderte Projekt nachweislich Emissionen reduziert.

Wir bedanken uns bei Marc Vogt, Geschäftsführer der oeko energie ag, die den Wärmeverbund Göschenen-Andermatt und das Heizwerk Gotthard betreibt, für die Mitarbeit.