Die WAHU-Bewegung – E-Bikes für Ghanas Zukunft
Im Mittelpunkt der Minderungsaktivitäten von WAHU steht die teilweise Umgestaltung der städtischen Mobilität in Ghana mit vor Ort gebauten E-Bikes. So werden nicht nur die mit Motorrädern zurückgelegten Benzin- und Dieselkilometer ersetzt, sondern es entstehen auch nachhaltige Arbeitsplätze, und Lieferdienstfahrer, die für ihr Einkommen auf den Zweiradverkehr angewiesen sind, können einen höheren Lebensunterhalt erzielen. Das WAHU-Team bezeichnet daher seine im Mai 2025 für städtische und stadtnahe Gebiete autorisierte Minderungsaktivität als "WAHU-Bewegung".
Der städtische Verkehr in Ghana verzeichnet seit Jahren eine rasante Zunahme. Für Lieferdienstfahrer sind Motorräder attraktiv, weil sie erschwinglich sind, wendig durch dichten Verkehr kommen und ein gut ausgebautes Tank- und Reparaturnetz zur Verfügung steht. Die Kehrseite der Medaille: Dies geht einher mit Benzin- und Dieselverbrauch, Luftverschmutzung und der Abhängigkeit von schwankenden Kraftstoffpreisen. Im Mittelpunkt der WAHU-Bewegung steht daher die Idee, saubere Mobilität für die Menschen im ghanaischen Lieferverkehr "praktisch und erschwinglich" zu machen, indem man eine Aktivität nach Artikel 6.2 entwickelt, die den Anforderungen der ghanaischen wie der schweizerischen Regierung entspricht.
Zunächst war vieles vollkommen vage. So war unklar, wie der Rahmen und die Methode für den Nachweis der Zusätzlichkeit geschaffen werden können, wie sich durch strenge Tests nachweisen lässt, dass die Technik und die elektrischen Zweiräder selbst zuverlässig funktionieren, und ob die Kunden die Fahrzeuge zu bestimmten Preisen annehmen würden.
Eine junge Generation, die den Wandel zu nachhaltiger Mobilität aktiv mitgestaltet.
© Andrea Reiter, KliK Foundation
«Als erster Entwickler einer grossen E-Bike-Aktivität im Rahmen des kooperativen Ansatzes des Pariser Übereinkommens musste WAHU das Programm entwerfen, während die ‹Verkehrsregeln› noch im Entstehen begriffen waren.»
Bernard Ayittah
CO₂-Einnahmen als Brücke
Die WAHU-Massnahme war als "umfassendes Betriebssystem" konzipiert, das Fahrten mit Benzin und Diesel ersetzen soll, indem es gewerblichen Lieferdienstfahrern mit E-Bikes eine zuverlässige Einnahmequelle bietet. Der wesentliche Aspekt dieser Minderungsaktivität ist also die Verlässlichkeit für die Lieferdienstfahrer. Die vor Ort gefertigten und montierten Zweiräder sind speziell für die ghanaischen Strassen und Einsatzbedingungen konzipiert. Begleitende Massnahmen sind auf die technische Unterstützung, angemessene Arbeitsbedingungen sowie das Wohlergehen der Fahrer im Hinblick auf Versicherungsschutz, Ausbildung und verbesserte Sicherheitsfunktionen ausgerichtet. Eine Verbindung mit IoT/GPSHardware ermöglicht die Aufzeichnung der Laufleistung und das Flottenmanagement. Beides ist für den Betrieb und die überprüfbare Emissionsbilanzierung unerlässlich. Darüber hinaus bietet eine digitale Plattform den Fahrern Zugang zu Jobs im plattformbasierten Lieferdienst, verwaltet Zahlungen, Abonnements, Wartungspläne, das Aufladen sowie die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und sorgt so dafür, dass die Fahrzeuge einsatzbereit bleiben und den Fahrern ein regelmässiges Einkommen gesichert wird.
Um dieses komplexe Konzept zu verwirklichen, ist WAHU auf die CO₂-Finanzierung angewiesen. Der Zusätzlichkeitsnachweis musste zeigen, dass die Wirtschaftlichkeit pro Einheit in den Anfangsjahren negativ ist, da die Herstellungskosten bei geringen Produktionsmengen relativ hoch sind und zudem höhere Kapitalkosten anfallen. Entscheidend ist zudem, den Fahrern erschwingliche wöchentliche Zahlungen anbieten zu können, um eine breite Akzeptanz und die Fokus International für die Skalierung nötige Grössenordnung zu erreichen. Der Zusätzlichkeitsnachweis zeigte, dass die Aktivität selbst bei steigenden Mengen und sinkenden Kosten im Jahr 2030 nur mit CO₂-Finanzierung finanziell tragfähig sein wird.
«Die grösste Herausforderung beim Nachweis der finanziellen Zusätzlichkeit ist, dass E-Mobilitäts-Aktivitäten auf den ersten Blick kommerziell wirken, ihre Bankfähigkeit jedoch von Finanzierungskosten, Skalierung und Erschwinglichkeit abhängt. Ohne CO₂-Einnahmen wäre die Einstiegshürde für die Fahrer zu hoch.»
Valerie Labi
Um die Zusätzlichkeit im Kontext des national festgelegten Klimaziels zu berücksichtigen, weist das MADD Folgendes aus: Es handelt sich hier nicht um eine obligatorische Massnahme, die automatisch im Rahmen nationaler Initiativen erfolgen würde. Vielmehr ergänzt sie die offiziellen Klima- und Verkehrsziele Ghanas, indem sie die Elektrifizierung im Zweiradsegment beschleunigt, in dem ansonsten weiterhin die Nutzung fossiler Brennstoffe vorherrschen würde. Elektrofahrzeuge sind zudem Teil von Ghanas bedingtem Klimaziel und daher in der Whitelist der infrage kommenden Aktivitäten respektive Technologien aufgeführt.
Die wesentlichen Aufgaben des Prüfers
Wie validieren Sie eine Massnahme?
Für den Validierungsprozess gilt eine klare Reihenfolge: Vollständigkeitsprüfungen, eine detaillierte Überprüfung des MADD und seiner Anhänge anhand einer standardisierten Checkliste, das Formulieren von Fragen in Form von Clarification Requests (CRs) und Corrective Action Requests (CARs), iterative Klärung mit dem Projektverantwortlichen und Qualitätssicherung während des gesamten Prozesses. Bei internationalen Projekten ist die Zusammenarbeit mit Fachleuten vor Ort, die mit den nationalen Gegebenheiten und Anforderungen vertraut sind, ein wichtiges Element. Uns liegt an einer ausgewogenen Zusammenarbeit, die gegenseitigen Wissenstransfer ermöglicht.
Wie verlief die Validierung mit WAHU?
Eine effektive Validierung erfordert eine gute Zusammenarbeit mit dem Projektverantwortlichen oder -entwickler. Uns war daher wichtig, ein gemeinsames Kick-off- Meeting mit WAHU abzuhalten und uns über den gesamten Prozess hinweg strukturiert auszutauschen. Gleichzeitig bewahren wir als Validierungs- und Verifizierungsstelle bewusst professionelle Distanz und unabhängiges Urteilsvermögen. Wir kommunizieren unsere Fragen immer über einen formellen CR- und CAR-Katalog. Diese Vorgehensweise gewährleistet Transparenz, Rückverfolgbarkeit und einheitliche Behandlung bei allen Projekten. Für uns ist es entscheidend, immer neutral zu sein. Falls erforderlich und für den Prozess sinnvoll, führen wir Besprechungen durch, um Fragen des Projektverantwortlichen oder -entwicklers zu klären.
Ihre wichtigsten Erkenntnisse?
Man muss darauf hinweisen, dass die WAHUValidierung im ersten Halbjahr 2024 stattfand. Da gab es noch keine offizielle Checkliste für die Validierung internationaler Projekte gemäss Artikel 6.2. EBP hat deshalb die schweizerische Checkliste des BAFU übersetzt und für den internationalen Gebrauch angepasst. In den vergangenen zwei Jahren hat das BAFU seinen Ansatz anhand der Erkenntnisse aus den Autorisierungen optimiert. Ein zentrales Ergebnis für EBP ist deshalb die "Prozessbeschreibung für die Autorisierung und die spezifischen Anforderungen an das Monitoring, die Berichterstattung und die Verifizierung von Minderungsaktivitäten nach Artikel 6 des Pariser Abkommens" des BAFU. Wir nutzen dieses Dokument zusammen mit anderen relevanten Dokumenten, um unsere Validierungsverfahren weiter zu stärken und zu standardisieren. Der Erkenntnisgewinn ist fortlaufend. Gemeinsam mit allen Beteiligten, darunter das BAFU, die Regierungen der Partnerländer, die Stiftung KliK und die Projektentwickler, arbeiten wir kontinuierlich an der Verbesserung der Verfahrensqualität. Ein besonderer Schwerpunkt von EBP liegt auf der sozialen Nachhaltigkeit. Wir ziehen systematisch erfahrene Sozialfachkräfte hinzu, um Themen wie Menschenrechte, soziale Absicherung, Einbindung von Stakeholdern und Beschwerdemechanismen zu bewerten.
Präsentation der WAHU-Bikes in Ghana durch CEO Valerie Labi.
© WAHU Mobility
Ein profundes MADD
Während der Validierung mit EBP musste das Projektteam die Nachweise zu zentralen Annahmen verbessern – etwa zu Fahrzeugmerkmalen, zur Messmethode der zurückgelegten Strecke und zu Qualitätssicherungsverfahren. Ein weiterer Aspekt bestand darin, die Abgrenzung zu präzisieren und konservativere Regeln anzuwenden, um eindeutig zu definieren, welche Fahrten anrechenbar sind und welche nicht. Parallel dazu wurden die Monitoringverfahren optimiert und strenge Plausibilitätsprüfungen eingeführt, damit die unabhängige Prüfung im Rahmen der jährlichen Messung, Berichterstattung und Überprüfung effizient und transparent erfolgen kann – inklusive Abgleich mit Ladedaten und einer umfassenden Dokumentation der Batterieentsorgung.
Bernard Ayittah zufolge war der Autorisierungsprozess mit den beiden Partnerländern keine einmalige Diskussion, sondern ein Prozess, aus dem ein fundiertes und robustes MADD hervorging. Er hob hervor, dass die finanzielle Zusätzlichkeit über das Geschäftsmodell von WAHU hinaus auch auf der Fahrerseite konkretisiert wurde – gestützt auf transparente Analysen, nachvollziehbare Annahmen und Datenquellen sowie konservative Ansätze. Das ghanaische Carbon Market Office forderte darüber hinaus eine Studie zum Kraftstoffverbrauch in städtischen und ländlichen Gebieten, da länderspezifische Nachweise für die Autorisierung unerlässlich sind.
Die bahnbrechende Artikel-6.2-Aktivität erforderte während des gesamten Validierungs- und Autorisierungsverfahrens Lernprozesse, Anpassungen und Wiederholungsschleifen, um robuste und glaubwürdige Lösungen zu gewährleisten. Alle Schlüsselelemente des MADD wurden einer gründlichen Prüfung unterzogen – mit enger Koordinierung, wiederholten Analysen und umfangreichen Nachweisen. Laut Valerie Labi war es rückblickend genau dieser iterative Überprüfungsprozess, der Vertrauen schuf und schliesslich die Autorisierung ermöglichte.